In diesem ersten Tutorial möchte ich die Frage klären, was für Voraussetzungen man persönlichen erfüllen sollte, um mit der Materie Kalligrafie zurecht zu kommen. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich nicht jedem einmal empfehlen möchte, sich mit der Kunst der Schönen Schrift zu beschäftigen. Allerdings kann es sicher sehr frustrierend sein, wenn man als ungeduldiger Mensch nicht sofort perfekt schreiben lernt. Kalligrafie braucht Zeit. Das möchte ich jedem mit auf den Weg geben, der sich daran selbst ausprobieren möchte.
Voraussetzung 1: Geduld
Wer denkt, man könne mal eben so mit Kalligrafie anfangen und direkt etwas schönes zu Papier bringen, der sollte sich besser vorher darüber im Klaren sein, dass dies nicht ganz so einfach ist, wie man es gerne hätte. Kalligrafie ist eine Kunst, die es zu erlernen gilt. Das heißt, man braucht viel Geduld und Ausdauer, um Fortschritte zu erzielen. Besonders der Anfang wird den meisten Schwierigkeiten bereiten. Die Feder (oder den Pinsel) zu führen ist gewiss eine komplizierte Aufgabe, wenn man bisher nicht mit diesen Werkzeugen gearbeitet hat. Es ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie lange man für die ersten Schritte braucht. Einige brauchen ein paar Wochen, andere etwas mehr. Wichtig ist, dass man nicht aufgibt und am Ball bleibt, denn Kalligrafie lernt man nur, wenn man sich immer wieder damit beschäftigt und seine Fehler erkennt. An dieser Stelle sei nur kurz erwähnt, dass das Selbststudium natürlich viel schwieriger ist und möglicherweise nicht zum gewünschten Erfolg führt. Am besten ist es, wenn man jemanden kennt, der schon schreiben kann und einem die Fehler zeigen kann. Übrigens wird man erstaunt sein, wenn man sieht, wie langsam ein Kalligraf eigentlich schreibt. Es wird einem fast vorkommen wie in Zeitlupe, aber nur so kann man während des Schreibens auf die Feinheiten der Schrift achten. Mein Rat also: keine Hektik! Lieber langsam schreiben und sauber arbeiten.
Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Denn wer erst einmal die erste Schrift gemeistert hat, wird problemlos auch mit allen anderen Schriften fertig. Es kommt dann hauptsächlich darauf an, die Unterschiede zu sehen, sich die neuen Buchstaben einzuprägen und irgendwann eine persönliche Note mit einfließen zu lassen.
Voraussetzung 2: Zeit
Eng mit der ersten Voraussetzung verbunden ist auch diese zweite. Denn wer nur hin und wieder mal für fünf Minuten schreibt, wird keine Fortschritte machen. Um mal ein Beispiel zu nennen: an unserer Schule üben die Studenten einmal die Woche fünf Stunden am Stück (plus Hausaufgaben, sagen wir also etwas 10 Stunden pro Woche). Einige können dann schon nach einem Monat die erste Schrift gut schreiben. Das ergibt etwa einen Arbeitsaufwand von 40 Stunden. Eine kleine Warnung möchte ich hier jedoch aussprechen: auch die Pausen sind wichtig! Wer nun versuchen möchte, an 4 Tagen denselben Aufwand “abzuarbeiten”, kann schnell schmerzende Hände bekommen. Wenn man also merkt, dass man nach 2 Stunden genug hat, legt man erst einmal die Feder weg und gönnt sich eine Viertelstunde Pause, bevor man weiter macht. Schließlich braucht man die Hände noch länger ![]()
Wer kann, sollte sich jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit verschaffen, in der ohne Unterbrechungen gearbeitet werden kann. Das ist wichtig um im Fluss zu bleiben. Schließlich muss sich die Hand an das neue Schreibgerät erst einmal gewöhnen. Und auch später ist es schön, wenn man seine Arbeit nicht ständig unterbrechen muss. Ob man lieber morgens oder abends übt, ist übrigens egal. Das muss jeder für sich selbst herausfinden.
Voraussetzung 3: Auge für’s Detail
Dieser Punkt ist schwer beeinflussbar. Entweder man hat es, oder man hat es nicht: das Auge für’s Detail. Man muss sich hier klar machen, dass Kalligrafie aus Buchstaben besteht, die sich irgendwann einmal jemand ausgedacht hat. Und zwar genau so, wie sie sind, ergeben sie eine harmonische Form. Kontraste zwischen dicken und dünnen Linien sind gewollt und müssen beachtet werden. Zwischenräume und Abstände sind vorgegeben und haben einen Sinn! Daher ist es besonders am Anfang wichtig, dass man sich genau an die Vorlagen hält. Später, wenn man die Grundlagen beherrscht, steht es einem frei, die Schriften nach eigenen Bedürnissen umzugestalten. Aber das braucht lange Jahre der Übung.
Voraussetzung 4: Platz
Um Kalligrafie problemlos üben zu können, benötigt man besonders auch eins: einen ausreichend großen Arbeitsplatz. Der Schreibarm muss sich bewegen können und darf nicht eingeengt werden, sonst gelingen die Form nicht (oder nur schlecht). Am besten ist es, wenn man sich zu Hause einen Platz zum Schreiben einrichten kann, der auch gleich mit den passenden Werkzeugen ausgerüstet ist und nicht erst lange aufgebaut werden muss. Sonst hat man später gar keine Lust anzufangen, weil man zu faul ist alles zusammen zu suchen
(Ja, es geht auch mir manchmal so)
Für den Anfang ist der Arbeitsplatz jedoch noch nicht ganz so wichtig. Man kann auch auf kleiner Fläche alles nötige erlernen. Wenn es aber an große, freie Arbeiten geht, sollte man über die Anschaffung eines Zeichenbrettes nachdenken. Hierzu mehr im nächsten Tutorial, wenn es um die benötigten Arbeitsmaterialien geht.
Voraussetzung 5: Geld
Auch eher im Hinblick auf die Zukunft, sollte man wissen, dass Kalligrafie sehr kostspielig sein kann. Anfangs wird man außer einem Pinselhalter, ein paar Bandzugfedern, etwas Tinte und einem Block Papier nicht viel benötigen. Doch je experimenteller man arbeiten möchte, desto teurer werden die Materialien (die es haufenweise im richtigen Künstlerbedarfsladen gibt!). Das kann leicht zur Sucht werden, wenn man alles einmal ausprobieren möchte, also Vorsicht!
Voraussetzung 6: Spaß!
Bei all den Voraussetzungen darf man eines nicht vergessen. Kalligrafie soll vor allem Spaß machen! Keiner zwingt einen, es zu erlernen. Man tut es aus freien Stücken und sollte immer mit Leib und Seele dabei bleiben. So lassen sich die Anfangsschwierigkeiten leichter ertragen und man kann jedes Mal wieder mit Spaß an die Sachen gehen.
Zum Schluss noch ein paar Worte, die nichts mit den Voraussetzungen zu tun haben. Es würde mich freuen, wenn ich hin und wieder zu meinen Tutorials Feedback bekommen würde. Was hat euch gefallen, worauf hätte ich noch weiter eingehen können und was ist vielleicht sogar unklar formuliert. Nutzt gerne die Kommentarfunktion dafür aus, ich werde versuchen alle offenen Fragen zu beantworten. Allerdings, und das möchte ich an dieser Stelle besonders betonen, bin ich weder ein Profi noch möchte ich, dass meine Tutorials als “einzig richtiger Weg” verstanden werden. Es sind oft die Erfahrungen, die ich aus den Kursen sammle, in denen ich helfe zu unterrichten. Wenn man mit 100 Leuten zusammenarbeitet, ergeben sich immer neue Herausforderungen und Fragen. Und mindestens genauso viele Lösungen kann es für die einzelnen Fälle geben. Die Schwierigkeiten für Linkshänder beim Schreiben seien hier als markantestes Beispiel genannt. Da ich selbst mit rechts schreibe, kann ich nur über das berichten, was mir Linkshänder verraten haben, die bestimmte Hürden genommen haben. Dennoch versuche ich aus allen Erfahrungen das für mich plausibelste herauszufiltern und in meinen Tutorials festzuhalten. Oft kann es also auch mehrere Lösungsvorschläge geben, die man ausprobieren kann. Dies ist mir besonders wichtig, denn ich habe in vielen Büchern mal dies und mal das gelesen, da jeder Autor seine Methoden als die besten verkaufen will. Am Ende ist man ganz verwirrt und weiß nicht, worauf man sich verlassen kann. Darum bitte ich auch an dieser Stelle stets um Nachfragen oder Einwände, damit die Sammlung an Erfahrungen wachsen kann.
Und wer es bis hierhin geschafft hat, darf nun auf das nächste Tutorial gespannt sein, das wahrscheinlich nächste Woche kommen dürfte
Darin geht es um die benötigten Materialien und jene, die optional sind.






Kommunikationsdesigner und Kalligraf, 23, aus Hamburg. Ich gebe Unternehmen ein Gesicht. Das geschriebene Wort ist meine Stärke.
Yeah, jetzt lerne ich auch noch mal was über Kalligrafie. Nachhilfe hast du mir ja bis jetzt nicht gegeben!
1. Hast du nie danach gefragt und 2. hättest du es gar nicht nötig, kannst doch schon alles
hmm habs nur grob überflogen (: Aber ich glaub bei mir fehlt es an allen 6 Punkten