Heute gehen wir einen Schritt weiter, denn nach den persönlichen Voraussetzungen, die man zum Kalligrafieren braucht, benötigt man für den Einstieg natürlich auch ein paar Materialien. Diese möchte ich kurz vorstellen und erläutern. Übrigens soll es nun erst einmal darum gehen, dass man mit dem Schreiben beginnen kann. Es werden also wirklich nur die absoluten Basis-Materialien behandelt, die für den Start notwendig sind. In späteren Tutorials werde ich etwas tiefer eintauchen und aufzeigen, wo man sich die Arbeit leichter machen kann. Aber: aller Anfang ist hart, und so wollen wir es auch belassen
Feder und Halter
Kommen wir zum wichtigsten Teil der kalligrafischen Arbeit: der Feder. Sie besteht aus einem Federhalter und der Feder an sich, die sich natürlich auch auswechseln lässt. An beidem gibt es eine große Fülle an Auswahl. Schaut euch das Foto an, damit ihr wisst, wonach ihr im Schreibwarenladen Ausschau halten müsst. Wir verwenden zunächst eine 3mm Bandzugfeder, die für die ersten Übungen gut geeignet ist.

Oben: Doppelfederhalter, Mitte: Standardfederhalter, Unten: Federhalter mit Korkgriff

Ferderhalter mit Feder und abgenommenem Tank
Auf dem nächsten Bild seht ihr, wie die Feder richtig in den Halter eingesteckt wird. Sie muss nämlich in den äußeren Bereich gesteckt werden und sollte fest und tief sitzen, damit sie beim Schreiben nicht wackelt.

Feder im Federhalter (äußerer Bereich)

Federhalter ohne Feder
Vor dem Schreiben sollte beachtet werden, dass neue Federn mit einer Fettschicht vor dem Rosten geschützt werden. Würde man nun Tinte einfüllen und versuchen zu schreiben, würde diese aus der Feder einfach herauslaufen und einem wenig Freude bereiten. Daher muss die Feder zunächst abgebrannt werden. Dazu stellt man sich ein Wasserglas bereit, nimmt die Feder mit Halter zur Hand und hält die Feder kurz in eine offene Flamme (Kerze oder Feuerzeug). ACHTUNG: nicht zu lange brennen lassen, da sich sonst die Feder zerstören lässt. 2-3 Sekunden sollten reichen. Danach die Feder in das Wasserglas tauchen und abtrocknen. Nun ist die Feder schreibfertig. Der Tank an der oberen Seite lässt sich übrigens verschieben. Je weiter dieser mit der Spitze nach vorne zeigt, desto mehr Tinte fließt aus ihr heraus. Man sollte dies individuell auf seine Schreibart abstimmen.
Papier
Für den Anfang reicht ein karierter Kollegeblock, da dieser bereits vorliniert ist und man sich so die Arbeit sparen kann, ständig neue Linien zu ziehen. Anhand der Kästchen lässt sich die Höhe der Schrift meist ganz einfach abzählen. Doch dazu später mehr. Achtet beim Kauf darauf, dass das Papier nicht zu glatt und nicht zu rau ist. Im ersteren Fall verliert man sonst schnell die Kontrolle und bei sehr grobem Papier hakt die Feder gern fest. Vergleicht einfach ein paar Sorten miteinander und kauft ggf. verschiedene Sorten, um vergleichen zu können, worauf ihr am besten schreibt. Von Ökopapier würde ich in diesem Fall abraten (auch wenn ich sonst sehr dafür bin), da es meist stärker die Farbe aufsaugt und das Schriftbild unsauber wird. Auch zum Üben möchte man schließlich scharfe Kanten schreiben.
Farbe
Ihr müsst nicht unbedingt teure Tinte kaufen, sondern könnte für den Anfang mit Aquarellfarben aus der Tube arbeiten. Mischt euch am besten nicht zu viel an, denn selbst mit einer Filmdose voll kommt man schon sehr weit. Lasst also die 1 Liter Gläser im Schrank stehen und greift zu etwas kleinerem, das sich am besten auch verschließen lässt. Welche Farben ihr nehmt, ist erst einmal egal, da wir ja nur üben wollen. Später spielt die Wahl der Tinten natürlich eine wichtige Rolle. Hier mal ein Bild von Schmincke Aquarellfarbe, die sich gut für den Anfang eignet. Aber auch mit sehr viel günstigeren Studienaquarellfarben konnte ich gute Erfahrungen machen.

Aquarellfarbe in der Tube
Sonstiges
Ein paar Kleinigkeiten sollten noch auf dem Tisch stehen, damit das Arbeiten funktioniert. Dazu gehören: ein Pinsel zum Befüllen der Feder mit Farbe, ein Lappen (falls mal was daneben geht), ein kleines Wasserglas und etwas, das ihr als Ablage für eure Feder benutzen könnte, wenn ihr diese kurz aus der Hand legen wollt.
Und dann kann es auch schon los gehen. Mit einem Materialwert von ca. 10 Euro solltet ihr die Basisausstattung des Kalligrafen beisammen haben. Natürlich lässt sich hier und da etwas schöneres oder teureres finden, doch meist zeigt sich, dass man durch einen teureren Federhalter auch nicht besser schreiben lernt. Verzichtet also besser auf solche Angebote und konzentriert euch auf das Schreiben an sich. Wie ihr beginnt, verrate ich euch im nächsten Tutorial.






Kommunikationsdesigner und Kalligraf, 23, aus Hamburg. Ich gebe Unternehmen ein Gesicht. Das geschriebene Wort ist meine Stärke.
Sehr interessanter Artikel! Bin mal gespannt was da noch so kommt. Was hast denn nun nach bestandener Prüfung vor? Was kommt als nächtes?
Grüße
José
ja hab ich sogar alles schon, wenn ich jetzt nur noch wüsste wo. Mal bei gelegenheit suchen (: